Bekomme ich das Rohmaterial?

Die kurze Antwort kennt der liebe Leser sicher bereits aus meinen FAQs: Leider nein.

 

 

 

Ich möchte die Antwort aber sehr gerne näher erläutern und etwas Licht auf dieses Thema werfen.

 

 

 

Obwohl es schon viele andere Blogbeiträge zu diesem Thema gibt gerate ich immer wieder in die Lage, erklären zu müssen, wieso ich kein Rohmaterial hergebe. Mir ist es auch schon in diversen Hochzeitsführern und -magazinen untergekommen, dass explizit darauf hingewiesen wird, dass man den Fotografen oder Filmer nach dem Rohmaterial fragen sollte. Mir ist aber keine Kollegin und kein Kollege bekannt, der Rohmaterial an seine Brautpaare weitergibt. Sicher gibt es Ausnahmefälle, aber aus meiner Erfahrung behält der Dienstleister das Rohmaterial bei sich.

 

 

 

Aber das hat nichts damit zu tun, dass ich etwas vorenthalten möchte. Ich möchte auch nicht unterstellen, dass Brautpaare, die um das Rohmaterial anfragen, prinzipiell so denken. Man sollte sich das ähnlich vorstellen wie bei einem Konditor. Das Rohmaterial sind die Zutaten für einen Film. Es sind definitiv hochwertige Zutaten, biologisch, regional und saisonal. Doch das Know-How des Bäckers und dessen Geschick verwandelt diese Zutaten in eine wunderschöne und schmackhafte Hochzeitstorte.

 

 

 

Ähnlich ist es beim Film.

 

 

 

Obwohl man sich das Rohmaterial sicher ansehen kann, so gibt es doch keinen Sinn, das Material separiert vom großen Ganzen zu sehen. Im Schnitt werden die besten Perspektiven in eine Handlung mit Musik verwoben und ergeben das Filmerlebnis, das uns zu Tränen rührt.

 

 

 

Für mich als Filmemacher – und auch ein bisschen als Künstler – fühlt es sich bei der Frage so an, als würde man einen Konditor bitten eine Torte zu backen, aber bitte auch zusätzlich all die Zutaten mit zu liefern. Der Konditor mit seiner jahrelangen Erfahrung weiß, dass das nicht viel Sinn hat, da das Rezept und die Expertise fehlt. In meinem Arbeitsprozess gibt es viele Schritte, nicht nur der Schnitt (wie viele denken), die zu einem schönen Filmerlebnis führen. Bereits beim Filmen weiß ich, wie ich das Material schneiden werde. Und selbst für erfahrene Videografen ist der Schnitt einer Hochzeit ein herausfordernder und zeitintensiver Prozess.

 

 

 

Es ist für mich verständlich, dass man glaubt, dass etwas fehlen könnte. Doch bei meiner Arbeit versuche ich nur die besten Momente rein zu geben, damit sich das Brautpaar den Film immer wieder gerne ansieht. Ich habe noch nie von einem Paar gehört, dass sie sich jedes Jahr die 3-Stunden-Rohfassung ihres Hochzeitstags ansehen. Und das kann ich sehr gut nachvollziehen.

 

 

 

Ein weiterer Faktor ist, dass man sich bei Reportagen nicht mehrere Perspektiven gleichzeitig ansehen kann. Wenn drei Kameras parallel laufen, müssen diese geschnitten werden, damit man sich diese ansehen kann. Außerdem gibt es dann auch noch die Tonspuren, die zusammen passen sollten. Für solche Fälle biete ich auch gerne an, einen separaten Mitschnitt anzufertigen. Das ist ein nettes Extra, aber natürlich kein Ersatz für einen vollwertigen Hochzeitsfilm.

 

 

 

Ich hoffe ich konnte die Problematik des Rohmaterials nachvollziehbar erklären. Es ist für mich mittlerweile ein etwas emotionales Thema geworden und ich Seufze immer sehr tief, wenn ich solche Anfragen lese. Es soll sich kein Brautpaar mit diesem Beitrag vor den Kopf gestoßen fühlen, da ich denke, dass sehr viel Fehlinformation von diversen Magazinen gestreut wird.

 

 

 

Mein Ziel ist es immer, einen der schönsten Tage im Leben eines Brautpaares in einem wunderschönen Filmerlebnis festzuhalten.